Veranstaltungen und Programme in chronologischer Reihenfolge

06. Juli 2013

Seminare

Dagmar Lehmhaus
Enuresis und Enkopresis – komplexe Krankheitsbilder und ihre psychodynamische Behandlung

Enuresis und Enkopresis werden als komplexe Krankheitsbilder verstanden, bei denen sich hereditäre Einflüsse mit psychischen und psychosozialen Verursachungsfaktoren verwoben haben. Eine solche Perspektive verlangt vom Behandler nicht nur eine komplexe Sichtweise, sondern impliziert auch die Maßgabe, bei eben diesen Belastungen anzusetzen, denn „schnelle Rezepte“ allein können zwar das „Signallämpchen“, aber nie die Ursachen des Leidens beseitigten.

Weniger entlang der Prinzipien evidenzbasierter Psychotherapie, als vielmehr inspiriert von den Erfahrungen  praxisbasierter Evidenz sollen charakteristische psychodynamische Konstellationen und die resultierenden Behandlungsüberlegungen und -erfahrungen in den vielen unterschiedlichen Fällen enuretischer und enkopretischer Symptomatik diskutiert werden:
Eine Behandlung von Enuresis und Enkopresis im psychodynamischen Sinne beruft sich auf psychosomatische Traditionen. Für unseren Zusammenhang bedeutet das, dass der Körper und seine Ausscheidungsorgane über ihre biologische und medizinische Funktion hinaus als Teile individueller, familiärer und kollektiver Symbolkomplexe mit Sinn und Bedeutungen besetzt verstanden werden sollen. Im Rahmen „methodisch gesicherten Sinnverstehens“ (LORENZER) bedeutet Psychotherapie dann ein ständiges gemeinsames Wahrnehmen, Abgleichen und Bemühen um Dechiffrierung der verschlüsselten Sprache des Körpers und Umsetzung in affektives Erleben und kommunikativen Ausdruck.
Kinder, die einnässen und/oder einkoten kommen meist nach einer langen erfolglosen Odyssee, die Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit verstärkt und Scham, Ärger und verhaltene Wut hervorgebracht hat. Sie sind nicht nur (prophylaktisch) misserfolgsorientiert, sondern leiden massiv unter ihrem Symptom - auch wenn sie meist so tun, als prallte alles an ihnen ab. Die Etablierung eines aktiven Arbeitsbündnisses steht daher am Anfang jeder Behandlung.
Unter Entwicklungsgesichtspunkt spiegeln die besagten Krankheitsbilder partielles Stagnieren oder gar eine Zurücknahme der Entwicklungskräfte - aus welchen Gründen auch immer. Wird einzunässen und einzukoten zu Lebensbeginn noch als etwas völlig Normales eingeschätzt, ändern sich Sichtweise und Bewertung, sobald ein Kind ein bestimmtes Alter überschreitet. Einnässen und Einkoten imponieren dann als unpassend, wenn nicht gar unanständig. Dies ist umso mehr, als es sich bei der Enuresis und Enkopresis um Funktionsstörungen von Ausscheidungsorganen handelt und damit um einen menschlichen Bereich, der im Zuge der Zivilisation mittlerweile tabuisierter ist als die Sexualität. Auch deswegen wird von Patientenseite wenig und sehr verzögert über dieses meist schambesetzte Problem gesprochen.
Behandlung in dem hier angedeuteten psychodynamisch und entwicklungsorientierten Sinne bedeutet immer das Bemühen und Ziel, den betroffenen Kinder zu helfen, wieder auf den Weg ihrer normalen Entwicklung zurückzufinden. Dieser Weg ist oft schwierig, und es ist viel Resignation und Widerstand zu überwinden. Im Workshop sollen daher auch ganz konkrete Hilfen vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden, wie der Behandlungsprozess immer wieder konstruktiv gestaltet werden kann.


Eva Rass
Der Einfluss von Schwächen in der Wahrnehmungsorganisation auf die Entwicklung affektiver Regulationsprozesse

Reifungsstörungen, wie z.B. Wahrnehmungs- und sensorische Integrationsstörungen, sind meist mit einer hohen Anspannung und verstecktem Leid durch die nicht wahrgenommenen Unzulänglichkeiten verbunden. Derart belastete Heranwachsende reagieren auf selbst weniger dramatische Unstimmigkeiten in ihrem Beziehungskontext mit hoher Verletzbarkeit und Irritation und sind somit verstärkt auf interaktive Abgestimmtheit und Regulation des problematischen Erlebens und den damit einhergehenden negativen Affekten angewiesen. Nur durch eine angemessene Abstimmung kann eine sichere Bindung an die Betreuungspersonen entwickelt werden. Entwicklungsstörungen mit dem fortwährenden Erleben der häufig nicht diagnostizierten Unzulänglichkeiten bedeutet meist eine Akkumulation von Minimaltraumata und es bedarf daher eines interaktiven Wiedergutmachungsprozesses, um dennoch positiv besetzte innere Repräsentanzen aufzubauen. Besondere Beachtung muss daher einer sorgfältigen Diagnostik und den einzuleitenden Förderbehandlungen sowie einer entwicklungsorientierten Psychotherapie, in der die Elternarbeit eine sehr große Rolle spielt, zukommen.

Referent/in/en:

  • Dr. med. Nikolaus von Hofacker
  • Dipl.-Soz. Dagmar Lehmhaus
  • Dr. Eva Rass
  • Dr. med. Walter Schmid
  • Karin Trübel
  • Elisabeth Vogl-Urban

 

 

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