Veranstaltungen und Programme in chronologischer Reihenfolge

Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Traumatherapie von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Trauma – was ist das? Im Kontext unserer Fortbildung sind es schwere psychische Verletzungen, bei denen die Selbstheilungskräfte des einzelnen nicht mehr ausreichen und therapeutische Hilfe benötigt wird. Die Bandbreite dieser Verletzungen ist sehr groß: Gewalt und Misshandlung in der eigenen Familie, Deprivation, Verlust eines geliebten Menschen, schwere Erkrankungen, Suizid eines nahe stehenden Menschen, ein Unfall, Naturkatastrophen, Gewaltverbrechen, Zeuge eines solchen sein, kumulative Traumata … Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Es erschreckt mich immer wieder aufs Neue, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind.  Doch gerade dieser traurigen Wahrheit sollte man sich bewusst sein, wenn man mit Menschen arbeiten möchte, die schwer traumatisiert wurden. Ansonsten kann es schnell geschehen, dass man das, was man zu hören oder zu sehen bekommt, aus Gründen der eigenen psychischen Abwehr bagatellisiert und nicht wahrhaben will. Das Ziel dieser Fortbildung ist es, Ihnen Theorie und Praxis der psychotherapeutischen Arbeit mit  traumatisierten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf eine Weise zu vermitteln, die auch ein emotionales und intuitives Verständnis für tiefer gehende psychische Prozesse ermöglicht. Grundlagen dieser Traumatherapie sind psychoanalytische Konzepte und damit die Berücksichtigung unbewusster psychischer Vorgänge. Emotionalität und Intuition sind die Grundbausteine unserer  Arbeit und ohne diese wird sich kein Fachwissen transportieren lassen und es wird keinen wirklichen therapeutischen Fortschritt geben.  Die psychotherapeutische Herausforderung besteht darin, einen ganz individuellen Möglichkeitsraum für jeden einzelnen zu schaffen, wie Winnicott dies nannte. Einen Möglichkeitsraum, in dem die Therapeutin dem Patienten folgt und nicht umgekehrt. So wie Winnicott  beschrieb, dass das Kind eine Mutter braucht, die auf die kindliche Geste antwortet, um sein wahres Selbst zu finden.  Was also brauchen Menschen, die seelisch und auch oft körperlich schwer verwundet wurden?  Eigentlich ist dies mit einem Satz gesagt: Sie brauchen eine sichere emotionale Bindung, in der sie die schrecklichen Erlebnisse verarbeiten und ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten entdecken können. Klingt doch ganz einfach – oder? Weswegen braucht man dafür eine eigene Fortbildung? Doch was bedeutet eine sichere emotionale Bindung und wie stellt man diese her? Wie kann man Sicherheit erfahren, wenn gerade dieses Gefühl z.B. durch einen Überfall zerstört wurde oder gerade die Mama gestorben ist und nur noch Angst und Schrecken vorherrschen? Wie kann man eine Bindung herstellen, wenn Bindung lebensgefährlich war, weil die Gewalt in der eigenen Familie stattfand? Wie entsteht Bindung überhaupt? Was bedeutet „emotional“? Wie erfassen und regulieren wir unsere Emotionen? Welche Rolle spielt die Gehirnentwicklung hierbei? Wie gehe ich als Therapeutin mit unter Umständen sehr heftigen Gegenübertragungsreaktionen um? Wie funktioniert unser Gedächtnis, unsere Psyche, wie der biochemische Haushalt? Was bedeutet schreckliche Erlebnisse verarbeiten? Bedeutet verarbeiten wieder gut machen und Heilung? Oder trotz des Elends überleben? Oder anders weiter leben? Was ist ein Entwicklungspotential und unter welchen Bedingungen kann es frei gesetzt oder überhaupt erst entwickelt werden? Wie viel Potential hat ein Mensch? Wo und wie finde ich das? .... Wir könnten diese Fragen unendlich weiter ausdehnen und doch wohl nie eine eindeutige Antwort finden. Trotz aller Wissenschaft bleibt die menschliche Psyche ein Geheimnis, das immer wieder aufs Neue entdeckt werden will. Deswegen liegt der Schwerpunkt dieser Fortbildung nicht im Erlernen bestimmter Traumatechniken oder schematischer Vorgehensweisen, sondern in der therapeutischen Kunst, trotz zum Teil widrigster Ausgangsbedingungen für jeden individuell eine heilsame Entwicklung zu ermöglichen. Je nach Alter der Patientin oder des Patienten sind hierbei sehr unterschiedliche Behandlungsansätze gefragt, da immer eine entwicklungspsychologische Perspektive beibehalten werden muss, da wir es nicht mit ausgereiften psychischen Strukturen zu tun haben. Bei kleinen Kindern wird das Spiel im Vordergrund stehen, bei Jugendlichen das Gespräch oder je nach Begabung andere kreative Elemente. Aber auch Entspannungsübungen oder andere Formen der Emotionsregulation werden Thema sein, da nach Traumatisierungen häufig dissoziative Phänomene auftreten können und das schon im Säuglingsalter. Auch die Arbeit mit Eltern oder anderen Bezugspersonen stellt einen wichtigen Schwerpunkt in der Fortbildung dar.

An wen richtet sich die Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Traumatherapie?

Die Fortbildung richtet sich an alle, die psychotherapeutisch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben und ambulant praktisch tätig sind.
Die Erfahrung zeigt aber auch, dass  ErwachsenenpsychotherapeutInnen für ihre Therapien sehr von dem Blick auf die Kindheit und Jugend profitieren konnten, wenn sie mit Erwachsenen arbeiten, die in ihrer Kindheit oder Jugend traumatisiert wurden. Rein stationäre Konzepte sind nicht Inhalt dieser Fortbildung. Der Kurs findet in einer geschlossenen Gruppe mit ca. 20 Teilnehmerinnen  und Teilnehmern statt. Die oft unterschiedlichen Grundberufe (Kinderheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sozialpädagogik, Pädagogik, Psychologie, Lehramt) ermöglichen eine multiprofessionelle Sichtweise.

Umfang und Art der Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Traumatherapie

Die Fortbildung findet fortlaufend über zwei Jahre (4 Kurse) mit jeweils 16 Fortbildungsstunden statt und ist an die Symposien in Benediktbeuern und Brixen angegliedert. Wir beginnen jeweils den Donnerstag vorher (Vor- und Nachmittag) und haben dann noch den Freitag- und den Samstagnachmittag zur Verfügung, so dass die Vorträge der Symposien besucht werden können. In jedem Block beschäftigen wir uns mit einem anderen Altersabschnitt. Wir beginnen mit dem Vorschulalter, dann folgt die Latenzzeit, das Jugend- und im letzten Block das frühe Erwachsenenalter. Ich denke, dass diese entwicklungspsychologische Vorgehensweise ein tieferes Verständnis ermöglicht und auch wir als Gruppe innerlich mitwachsen können. Spezielle thematische Wünsche aus der Gruppe werden so weit als möglich aufgegriffen. Pro Block sind jeweils 8 Stunden für die theoretische Arbeit und 8 Stunden für eine intensive Fallarbeit vorgesehen. Hierbei wird immer eine erfahrene Kollegin oder ein Kollege einen kompletten Behandlungsverlauf darstellen, um möglichst praxisnah Wissen zu vermitteln. Unterschiedliche Traumata können Thema sein. In den bisherigen Kursen waren dies z.B.: Suizid eines Elternteils, Deprivation, sexueller Missbrauch, körperliche, psychische und seelische Gewalt, Ermordung der Eltern und Migration, Pflege- und Heimkinder. 

Theoretische Schwerpunkte der Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Traumatherapie

  • Grundlagen der Psychotraumatologie
  • Posttraumatische Belastungsstörung
  • Sozialpsychologische Abwehrprozesse bei Erforschung und Therapie  psychischer Traumatisierungen
  • Psychoanalyse und Bindungstrauma unter neurobiologischen Aspekten
  • Pflege- und Heimkinder
  • Deprivation
  • Bedeutung interaktioneller Prozesse im Spannungsfeld zwischen Übertragung und Gegenübertragung bei schwerer Traumatisierung
  • Umgang mit Flashbacks, Dissoziation, Wiederholungszwang und heftigen Emotionen
  • Trauerprozesse
  • Sexueller Missbrauch und Misshandlung
  • Gedächtnisforschung, auch Embodied Cognitive Science
  • Entwicklungsaufgaben Vorschulalter, Latenz, frühe und späte Adoleszenz
  • Traumatisierende Übertragung – Selbstfürsorge
  • Bedeutung des Spiels in der Therapie bei schwer traumatisierten Kindern

Leitung der Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Traumatherapie

Dr. phil. Dipl.-Psych. Elke Fietzek

Referentenliste der Fortbildung in tiefenpsychologisch fundierter Traumatherapie

Dr. phil. Dipl.-Psych. Elke Fietzek
Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Supervisorin und Lehranalytikerin

Dipl.-Psych. Katrin Gessl
Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Dipl.-Sozialpäd. Sebastian Kudritzki
Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut

Dipl.-Psych. Shima Mika
Psychologische Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Psychotraumatologin (DEGPT) und zertifizierte EMDR-Therapeutin

Dipl.-Psych. Julia Stachels-Andric

Psychologische Psychotherapeutin, Kinder – und Jugendlichenpsychotherapeutin

Carla Maria Weber
Psychoanalytikerin für Kinder und Jugendliche

Termine und Ort der Fortbildung

Ein neuer Kurs beginnt jeweils am Donnerstag vor dem Symposion in Brixen. Das genaue Datum entnehmen Sie bitte der Übersicht in der rechten Spalte der Homepage.

Anmeldung und Organisation
Ärztliche Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen e.V.
Spiegelstr. 5, 81241 München
Tel 0049 (0)89 - 820 53 03
Fax 0049 (0)89 - 88 20 89
institut@aerztliche-akademie.de
zur Anmeldung

Kosten pro Kurseinheit
370,-- € für Mitglieder der Ärztlichen Akademie
420,-- € für Nichtmitglieder

Kontoverbindung:
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
Kto. 391 6588
BLZ 300 606 01
IBAN DE67 3006 0601 0003 9165 88
BIC DAAEDEDD

 

Benediktbeuern Lehrgangswoche 2018-1

Kursübersicht

40 Jahre Ärztliche Akademie

Symposion in Benediktbeuern

9.2.-11.2.2018

Zusatzbezeichnung Psychotherapie
Start neuer Lehrgang in Benediktbeuern
4.-11.2.2018

Qualifikation in tiefen-
psychologisch fundierter
Kinder- u. Jugendlichen-
psychotherapie
(NQ/WQ)
Start neuer Kurs
5.-11.2.2018

Eltern-Kleinkind-Psychotherapie
(EKP) Start neuer Kurs
4.-7.7.2019

Eltern-Kleinkind-Psychotherapie
Supervision
7.2.2018

Fortbildung tiefenpsychologisch
fundierte Gruppentherapie
für Kinder und Jugendliche

Start neuer Kurs
8.-11.2.2018

Traumatherapie (Trauma-Th.)
Start neuer Kurs
14.-17.2.2019

wir2-Bindungstraining
Start neuer Kurs

Psychosomatische
Grundversorgung
8.-11.2.2018

Psychosomatische
Grundversorgung
Balintgruppe
11.2.2018

Teamentwicklung
und Fallsupervision
8.-11.2.2018